Forum der Kulturen Stuttgart e.V. – Rolf Graser

Welche Bedeutung hat ein Haus für Film und Medien für die Stadt Stuttgart aus Sicht Ihrer Institution?

Für das Forum der Kulturen Stuttgart e. V. wäre eine zentrale Aufgabe eines neuen Hauses für Film und Medien, die Internationalität und die Interkulturalität Stuttgarts auch auf dem Gebiet des Filmes angemessen widerzuspiegeln. Weder das aktuelle, multiperspektivische Filmschaffen aus den Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens noch das aus den nicht zentraleuropäischen Regionen wie Süd- oder Osteuropa mit seinem oft etwas differenzierteren Zugang zu den jeweiligen Kulturen, Ländern und Religionen findet sich in angemessenem Umfang im Stuttgarter Kinoangebot. Aber auch Filme mit einem ambitionierten Bezug zu der hiesigen Einwanderungsgesellschaft, zu den vielfältigen transkulturellen und interkulturellen Lebenswirklichkeiten und –prozessen fehlen weitgehend. Gelänge es, solche Filme verstärkt nach Stuttgart zu holen, würde dies der Realität einer Einwanderungsstadt wie Stuttgart eher entsprechen als die gängigen Mainstream-Angebote, die vielfach unsere Kinolandschaft beherrschen. Entsprechend müsste auch Raum sein für die vielfältigen Aktivitäten der Stuttgarter Migrantinnen und Migranten und deren Vereine auf dem Gebiet des Filmes. Hier besteht ein enormer Bedarf nach einem Ort, an dem Migrantenvereine sowohl Filme aus ihren Herkunftsregionen als auch aus ihrem aktuellen Umfeld zeigen könnten, all ihre Filmreihen und Festivals, ihre Werkschauen und Schwerpunktreihen, deren Konzepte längst in den Schubladen der verschiedenen Communities auf ihre Realisierung warten.

Mit welchem Input möchten Sie sich als Institution in ein Haus für Film und Medien einbringen?

Als wichtiger Input wären vor allem die o. g. Aktivitäten von Stuttgarter Migrantinnen und Migranten und deren Vereine zu nennen. Schon immer war der Film ein wichtiges Mittel, mit dem Migranten-Communities einerseits auf die Situation und die Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländer hinweisen, zum anderen ein Stück ihrer „zweiten Heimat“ nach Stuttgart holen möchten. Vor diesem Hintergrund fanden schon in der Vergangenheit zahlreiche Filmfestivals verschiedenster Migrantengruppen statt. Nach wie vor besteht bei diesen Migrantengruppen ein großes Interesse daran, „ihre“ Filme dem Stuttgarter Publikum vorzustellen. Besonders hilfreich ist hier die Expertise von Migrantinnen und Migranten, die sich in der Filmszene ihrer Herkunftsländer oft sehr gut auskennen und deshalb auch eine differenzierte, interessante Filmauswahl treffen können. Dasselbe gilt natürlich auch für Filmproduktionen, die von der Migrantenszene selbst hervorgebracht werden. All diese Potenziale und Expertisen sind mittlerweile, seit das Kommunale Kino nicht mehr existiert, vielfach verschüttet bzw. können nur noch rudimentär genutzt werden. Hier ist noch viel zu tun…

Welche Anforderungen haben Sie als Institution an ein Haus für Film und Medien? Welchen Output bzw. Leistungen erwarten Sie?

Ein Haus für Film und Medien sollte nicht nur Möglichkeiten zum Abspielen der oben genannten Filme bieten, sondern auch eine Infrastruktur aufweisen, um mit entsprechenden Rahmenprogrammen (von Diskussionsrunden über begleitende Konzerte bis hin zu Empfängen und Partys) die kulturellen Ideen und Aktivitäten der Vereine angemessen realisieren und begleiten zu können. Darüber hinaus besteht bei den allermeisten Migrantenorganisationen ein sehr großer Raumbedarf. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn dieses Haus auch Räume für die Treffen und die Workshops etc. der Migrantenvereine bieten könnten. Auch Büroräume sind sehr gefragt. Da das Forum der Kulturen schon lange das Ziel eines Hauses der Kulturen verfolgt, wäre perspektivisch auch daran zu denken, das Haus für Film und Medien mit den Erfordernissen eines Hauses der Kulturen zusammenzubringen und auf diese Weise interessante Synergieeffekte zu schaffen.

www.forum-der-kulturen.de

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