Merz Akademie – Markus Merz

Welche Bedeutung hat ein Haus für Film und Medien für die Stadt Stuttgart aus Sicht Ihrer Institution?

Stuttgart braucht einen Ort, an dem die Produktion und Rezeption bewegter Bilder intensiv verfolgt und diskutiert werden kann. Dies betrifft nicht nur das klassische Genre Film, sondern auch die von neuen Medien und audiovisuellen Technologien ausgehenden Innovationen. Ein solches neuartiges Forum kann entlang der Leitthemen des Vereins (Vermittlung, Interkulturalität, Kontext und Innovation) sowie seiner vernetzten Struktur zahlreiche neue Initiativen und Institutionen zu produktiver, öffentlich wahrnehmbarer Kooperation bringen.

Noch nie sind so viele Menschen mit bewegten Bildern umgegangen wie heute. Die Medien- und Themenvielfalt in der neuen digitalen Welt erscheint fast unendlich, umso wichtiger ist das Selektieren, Kritisieren und Kuratieren, auch und gerade im medienpädagogischen Sinn. Hierfür braucht Stuttgart einen Ort der öffentlichen Auseinandersetzung, ein Film- und Medienhaus, das zugleich Treffpunkt, Labor, Archiv, Club und Publikationsort ist.

Auch die vielen regionalen filmischen Impulse können hier endlich einen Ort der Präsentation finden. Es gibt mehrere Ausbildungsstätten, die sich auf hohem Niveau modernen Formen der Bewegtbildproduktion widmen; das neue Haus könnte für eine gemeinsame Wahrnehmung, eben auch für den Produktionsstandort Stuttgart sorgen. Die Landeshauptstadt Stuttgart muss der Präsentation und Diskussion des wohl wichtigsten Mediums unserer Zeit, dem bewegten Bild, in all seinen Facetten bedeutend mehr Aufmerksamkeit schenken als bisher.

Mit welchem Input möchten Sie sich als Institution in ein Haus für Film und Medien einbringen?

Als Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien kann die Merz Akademie vielfältige Beiträge liefern. Die wesentlichen Inputs: Studentische Filmproduktionen als Beispiele für einen Lehransatz, der das Experiment und die Kritik höher stellt als kommerzielle Perfektion und technische Glätte. Wir können Einblicke in Forschungsprojekte zu Fragen der Bewegtbildproduktion  und –rezeption unter den Bedingungen von Digitalität und Interaktivität geben. Workshops und Seminare mit Lehrenden, Studierenden und technischem Personal der Hochschule über Filmanalyse, eigenes filmisches Erzählen bis hin zu technischen Fragen für die interessierte Öffentlichkeit. Und last but not least kann die Hochschule Publikum liefern: rund 300 immatrikulierte Studierende, Lehrende, Gastdozenten und Mitarbeiter.

Welche Anforderungen haben Sie als Institution an ein Haus für Film und Medien? Welchen Output bzw. Leistungen erwarten Sie?

Der Raumplan, den der Verein „Haus für Film und Medien Stuttgart“ aufgestellt hat, scheint ideal zu sein für alle denkbaren Aktivitäten. Aber ein Haus für Film und Medien sollte sich nicht nur als Multiplikator und „Abspielstätte“ für Einzelaktivitäten verstehen, sondern es muss die Initiativen in der Stadt aktiv vernetzen. Das Haus für Film und Medien muss mehr sein als die Summe seiner Mitglieder. Es muss bieten, was eine Institutionen alleine nicht leisten kann: neue Kontexte für und Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen schaffen, die über den Horizont der Einzelinstitution hinausgehen.

www.merz-akademie.de

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